MEINE BEGEGNUNG MIT DEM HERZEN VON AFRIKA


Im November 1990 machte ich eine Reise in den Tschad, die mir bis in den heutigen Tag unvergesslich geblieben ist. Am eindrücklichsten war dabei nicht der Bürgerkrieg, der während meiner Anwesenheit ausbrach, sondern die Bekanntschaft mit einem tschadischen Arbeitslosen namens Nanasra, der mir einen tiefen Einblick in die Gewohnheiten und Gesetzmässigkeiten des Landes ermöglichte. Als Dankeschön habe ich ihm damals eine Ausbildung als Mechaniker geschenkt, die er mit Erfolg absolvierte. Wir unterhalten seit dieser Zeit einen freundschaftlichen Briefwechsel. Im April 2000 habe ich Nanasra wieder besucht und möchte Euch hier darüber berichten.

VORGESCHICHTE
Unterwegs im Tschad habe ich immer wieder festgestellt, wie wichtig ein gut funktionierender Transport für das Wohlergehen einer Gesellschaft ist und wie fatal sich Fehler da auswirken. So sehen sich Frauen zur Prostitution gezwungen, da sie die Transportkosten für ihre Agrarprodukte nicht aufbringen können und in der Hitze verfaulen Nahrungsmittel tonnenweise, weil der Lastwagen gerade eine Panne hat.

Als Nanasra vor 5 Jahren wieder mal keine Arbeit finden konnte, habe ich ihm kurzerhand den Führerschein finanziert. Schon damals spielte ich mit dem Gedanken, ein Auto in den Tschad zu bringen und dort ein Transportunternehmen zu eröffnen. In der Schlussphase einer damaligen, zeitlich limitierten Anstellung hat dieser Traum immer mehr Form angenommen. Im April 2000, also 10 Jahre nach meiner ersten Reise in den Tschad, konnte ich meine Vision endlich realisieren! “Voyage chic” war gegründet. Eine riesige Freude und auch ein bisschen Stolz erfüllt mich darüber.

Als ich das passende Auto gefunden und gekauft hatte, habe ich Nanasra geschrieben und gefragt, ob er bereit wäre, mit mir ein Transportunternehmen zu gründen. Drei Tage danach hielt ich einen Brief von ihm in Händen, der mich darüber informierte, dass er seinen erstgeborenen Sohn mir widme und ihm deshalb den Namen Jürg Alladoumngué (Alladoumngué heisst “Gott hat meine Familie gegründet”) gab. Unsere Briefe haben sich gekreuzt - ein schönes Zeichen unserer Freundschaft!

HAUPTGESCHICHTE
Der Plan war so: Ich verschiffe mein Auto nach Duala (Kamerun), fahre es dann alleine 2’000 km durch den Busch nach N’Djamena (Tschad), treffe dort hoffentlich Nanasra, erwerbe alle nötigen Papiere für unser Transportunternehmen und fahre mit Nanasra im Lande herum, um herauszufinden, wie schnell oder hart man das Geld verdienen kann. Auf Grund dieser Erfahrungen lege ich die Zahlungen fest, die Nanasra an mich zu leisten hat. Wenn meine Selbstkosten gedeckt sind, gehört das Auto ihm.

Das tönt so einfach. Ich war aber sehr nervös, hatte ich doch Angst vor Überfällen und Ausraubungen, vor Voodoo-Priestern, die in diesem Gebiet aktiv sind, vor Unfällen und Pannen, vor unwegsamen Passagen, wo ich über Tage stecken bleiben könnte und schlussendlich auch vor dem grossen Unbekannten, das mir da entgegenblickte. Als ich beim Anflug auf Duala die Grösse des Landes erkannte, war mir etwas mulmig zu Mute. Hoffentlich geht das nur gut!

In Duala habe ich dann mein Auto nach 2 Wochen Kampf mit dem Zoll endlich freigekriegt, und dabei selber kein TEL (Taxe Extra Legitime = Schmiergeld) bezahlt. Die Wartezeit war lange, die Wochenenden an den schönen Stränden Kribi und Limbé genoss ich deshalb um so mehr. Nach einem unverschuldeten Unfall, bei dem mir ein kleiner Junge ins Auto rannte und sich dabei das Bein brach, ging die Reise ganz flott vonstatten. Einige kurze Halte bei Sehenswürdigkeiten, eine Safari mit meinem eigenen Auto (wer hat das denn schon mal gemacht?) und schon war ich in N’Djamena!

Eine Elefantenherde schreitet zur Tränke

Eine Löwenfamilie bei der Siesta

Als Nanasra meinen Brief erhalten hatte, liess er seine Arbeiten auf dem Bauernhof sofort liegen und reiste nach N’Djamena. Das war sehr richtig, denn sein Antwortschreiben kam erst nach meiner Abreise an. Ich wusste also nicht wo, wann und ob ich ihn überhaupt treffen könne. Umso grösser war unsere Freude, als wir uns endlich gefunden hatten.

Der Bauernhof von Nanasra; unser Kleinbus wirkt da etwas futuristisch!

Nach zwei Wochen war das Auto umgebaut und angemeldet. Die Steuern mussten wir natürlich schon im Voraus bezahlen. Unser Arbeitsteam bestand aus 4 Personen: Nanasra (Chauffeur), Cadre (Bordmechaniker), ein Lehrling und ich (Finanzier). So machten wir uns an die Arbeit.

Unser Kleinbus und sein Arbeitsteam, bestehend aus 4 Personen

 

Da Nanasras Fahrkünste anfänglich sehr zu Wünschen übrig liessen, setzte ich mich ans Steuer. Mit bis zu12 Gästen im Auto, nicht gezählt die dazugehörenden Kinder, Ziegen und Hühner und unserem Team “Voyage chic”, fuhr ich tags und nachts wie wild durch die Gegend. Die Strasse waren mit Schotter bedeckt, wiesen aber tiefe Löcher auf. So musste man sehr konzentriert fahren. Diese Transporte als Chauffeur im wilden Afrika waren sicher das grösste Abenteuer, das ich je erlebt hatte!

Die Ankunft in Koumra, Nanasras Heimatort, war beeindruckend. Alle kannten mich und begrüssten mich herzlich. In dem Ort, er soll schätzungsweise 10’000 Einwohner gross sein, gab es seit kurzem sogar ein erstes Telefon! Nach einigen Tagen Aufenthalt hiess es schon wieder Abschied nehmen. Bei der Rückfahrt nach N’Djamena fuhr fast durchwegs Nanasra. Er hatte grosse Fortschritte gemacht. Auch der Verkehr in der Hauptstadt brachte ihn nicht mehr so rasch aus der Ruhe. Erleichtert stieg ich ins Flugzeug - meine Reise war ein voller Erfolg!

ESSENZ DER GESCHICHTE
Natürlich mache ich meine Reisen nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, weil mich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen in Afrika brennend interessieren. Daher ist es wohl verständlich, dass ich Euch auch einige meiner Gedanken zur zentralafrikanischen Lebensweise weitergeben möchte. Lasst mich doch wissen, ob ihr da gleicher Meinung seid!

Der Sippensinn
In Duala wurde zu meiner Reisezeit ein Korruptionsfall diskutiert, der sich zu jener Zeit zugetragen hatte und eben vor Gericht entschieden wurde. Ein Minister hatte eine Geldsumme zur Unterstützung der kamerunischen Filmemacher zugesprochen erhalten. Nach einem Jahr war das ganze Geld verteilt, jedoch nur ein kleiner, unprofessioneller Film vorhanden. Der Minister hatte das Geld an seine Sippenangehörigen ausbezahlt, die nur zum kleinen Teil Hobbyschauspieler waren - der Rest versuchte verzweifelt und so gut es eben ging, sich in Szene zu setzen.

Auch bei Nanasra hatte ich eine solche Einstellung bemerkt. Ich kam kaum mit Afrikanern ausserhalb seiner Sippe in Kontakt und wenn es ums Geldausgeben ging, dann wurde soweit möglich nur die eigene Verwandtschaft berücksichtigt. Innerhalb der Familie sind die Afrikaner sehr sozial, ausserhalb sind sie es nicht.

Das fröhliche Gemüt
In Limbé gab es ein grosses Fest! Der Sohn eines Ministers heiratete. Deshalb hatte er gleich die ganze Stadt zum Feste eingeladen. Jeder wollte dabei sein und der Leute Munde war voller Lob über den spendefreudigen Mann. Keinem war klar, dass ein ehrlicher Minister nicht das Geld hätte, so grosse Feste zu veranstalten. Korruption überall - und das Volk lacht fröhlich, tanzt und ist zufrieden. Von diesen Leuten kann ich als ernster Erdenbürger viel lernen; manchmal war mir ihre Unbekümmertheit dann aber doch zu naiv.

Das technische Verständnis
Nanasra’s Fahrkünste bewegten sich auf einem erschreckend tiefen Niveau. Da er immer nur auf Vorplätzen geübt hatte, wagte er es anfänglich nicht, in den 3. Gang zu schalten. Also gab ich ihm jeden Morgen eine Fahrstunde und nach einer Woche schaltete er stufenweise vom 1. in den 4. und vom 4. in den 1. Gang. Dabei kam der Wagen hin und wieder etwas von der Strasse ab, aber irgendwie konnten wir Schlimmeres immer verhindern. Den 5. Gang mochte er noch nicht verwenden - das ging ihm dann doch etwas zu schnell. Und bei entgegenkommenden Fahrzeugen hielt er panikartig Mitten auf der Strasse an, ohne den Zeiger oder Pannenblinker gestellt zu haben. Sicher war sicher - oder nicht?

Einmal standen Kinder vor unserem Auto und unterhielten sich über die Scheibenwischer. Ein älterer Bube erklärte der staunenden Zuhörerschaft, dass sich diese “Dinger” bei Regenfall bewegen würden, um das Wasser von der Scheibe zu wischen - für Kinder vom Lande eine Errungenschaft der Technik, die sie einfach nicht glauben mochten. In seiner Ehre etwas gekränkt, wollte der Erzähler den Zuhörern beweisen, dass er die Wahrheit verkünde und riss die Scheibenwischer mit Gewalt von einer Seite auf die andere. In seiner Funktion als Mechaniker gefordert, verwendete Nanasra danach zwei Stunden, um die Scheibenwischer zu reparieren. Er wusste genau, was er zu machen hatte, hatte aber keine Ahnung, wie er es machen solle. Erst nach einigen Vorschlägen von meiner Seite ging die Justierung rasch vonstatten.

Im ersten Moment scheint dies unerklärlich. Erst später begann ich zu verstehen, dass diese Leute sehr spät mit der Technik in Kontakt kommen. Was wir heute mit drei, vier Jahren schon lernen, durch Lego, Mechano, Holzarbeiten und Basteln, lernen diese Leute allerfrühestens mit 20 Jahren. Dies ist mir besonders aufgefallen, als ich bei Afrikanern Trommelunterricht nahm. Nun war es an ihnen, den Kopf zu schütteln und erstaunt zu sein, warum ich mich so linkisch anstelle. Sie lernen das Trommeln und Tanzen eben schon im Kindesalter.

Die Schulen sind für die Zukunftsmöglichkeiten der Bewohner vom Tschad fast schon übertrieben gut angelegt. Ich habe mehr Leute (Festkörper-Physiker, Physikalische Chemiker) getroffen, die die Schrödinger-Gleichung lösen konnten als solche, die eine einfache Reparatur ausführen konnten. Praktiker bräuchte das Land!

Versicherungslogik
Ein kleiner Junge ist mir ins fahrende Auto gerannt. Ich konnte ausweichen und so eine Frontalkollision vermeiden, jedoch nicht das seitliche Auftreffen des Kindes. Sofort habe ich den kleinen Buben mit der Mutter ins Spital gefahren. Obwohl ich zwei Versicherungen abgeschlossen hatte und die auch nachweisen konnte, wurde eine Röntgenaufnahme nur gegen meine Barzahlung vorgenommen. Der Bruch war verschoben und musste im Spital korrigiert werden.

Die Polizei war am schnellsten hilfsbereit. Nachdem ich einen ganzen Tag mit ihnen gestritten hatte, war ihnen klar, dass ich mich zu keinen Schmiergeldern erpressen liess. Das Unfallprotokoll wurden dann rasch vor Ort vorgenommen und alle waren zufrieden.

Die Versicherung zeigte sich bei der Unfallmeldung zuerst kooperativ, stellte sich dann aber schnell stur und wollte die Zahlung erst freigeben, wenn das Gerichtsurteil vorliegen würde. Dies dauert immer mindestens 1 Jahr. Bis dahin sind die Patienten gestorben oder in den Busch zurückgetragen worden. Erst als ich als Atheist eine ältere, christliche Angestellte der Nächstenliebe verpflichtete, wurde ich zur Direktorin geführt und bekam eine Zahlungszusicherung ausgehändigt.

Das Spital war am stursten: kein Verband, keine Schmerztabletten, keine Hilfe, keine Beratung. Als ich dem Kind meine Schmerztabletten verabreichen wollte, verweigerte mir der Arzt eine Dosierungsempfehlung. Also verabreichte ich das Medikament nach meinem Befinden. Als nach drei Tagen das Bein noch immer nicht verbunden war, begann ich einen Arzt lautstark zu beschimpfen. Man weiss auch diese Situation bestens zu lösen - am nächsten Tag war eine Wache vor der Tür des Spitals, mit dem Auftrag, den wahnsinnigen Weissen zu stoppen. Als ich mit der Zahlungszusicherung kam, wollte man mich nicht hineinlassen. Meine Achtung vor diesen Leuten war geschwunden - der Posten kriegt eine wuchtigen Stoss und ich marschierte ins Krankenhaus. Als man sah, was ich bei der Versicherung bewirkt hatte, konnte sich selbst der Arzt eines anerkennenden Wortes nicht mehr enthalten.

Normalerweise wird jedoch ein Fall so abgewickelt. Der Autofahrer zahlt nichts, weil er entweder gar kein Geld hat, weil er nicht versichert ist oder weil er erst auf den Schuldspruch wartet. Der Verunfallte zahlt nichts, weil er und seine Familie höchstwahrscheinlich sehr arm sind. Das Spital unternimmt nichts, solange keine Vorauszahlung getätigt wird. So wird das Opfer in den Busch zu einem Buschdoktor getragen, dem Autofahrer wird kein Haar gekrümmt, die Versicherung spart sich die Versicherungsleistung, das Spital hat seine Ruhe und ein Krüppel mehr hinkt übers Land. Wer kümmert’s - bald Lachen und Tanzen wieder alle, der Krüppel halt am Boden.

Hilfeleistungen an Unfallopfer unterbleiben oft. Bald Lachen und Tanzen wieder alle, der Krüppel halt am Boden.

Von der lockeren Art dieser Leute kann ich ernster Erdenbürger viel lernen - manchmal fand ich jedoch, dass ihre Unbekümmertheit das Leben in Zentralafrika recht schwer und hart macht.

Korruption im Zollwesen
Kamerun war zu meiner Reisezeit gemäss einer internationalen Liste das korrupteste Land der Welt. Dies habe ich am Zoll in Duala besonders gut bemerkt. Jeder höhere Angestellte fährt ein einwandfreies Auto und ohne Schmiergelder links und rechts geht gar nichts. Ich habe mich dieser Sitte verwehrt und nie Schmiergelder bezahlt. In Duala musste ich deshalb zwei Wochen warten.

Der Oberzöllner in N’Djamena (Tschad) hatte mir zweimal Dokumente enteignet, mit denen ich beweisen konnte, dass ich den ordentlichen Zoll für mein Auto bezahlt habe. So hoffte er, mich erpressen zu können. Da ich von allen Originalen immer mehrere Kopien anfertigte, hatte er diesbezüglich keinen Erfolg, konnte meine Durchreise jedoch ebenfalls unangenehm verzögern. Erst über Kontakte innerhalb des Stammes von Nanasra konnten wir mit dem Zollministerium Konatakt aufnehmen und die Zollformalitäten auf diesem Wege abschliessen.

Vermögensverwaltung der Reichen
Dieses Kapitel ist kurz und traurig. Ich vergleiche reiche Afrikaner gerne mit Sklavenfängern. Sklaven wurden weder von Europäern noch von islamischen Sklavenhändlern gemacht. Sklaven wurden durch schwarze Stämme gefangen, die afrikanische Siedlungen überfielen, die “unnützen” Afrikaner töteten und den Rest an die Sklavenhändler verkauften.
Wenn heute ein Afrikaner es schafft, reich zu werden, so macht er es ähnlich. Er missbraucht seine Machtstellung, um jedem und allen soviel Geld wie möglich abzunehmen. Eine Arbeitsvision oder -moral habe ich keine gefunden. Da wird ausgebeutet, soviel das Zeug hält. Die ganze Intelligenz und Energie wird in der Arbeitswelt nur dazu verwendet, die eige-ne Börse so rasch als möglich wachsen zu lassen. Für kreatives Unternehmertum bleibt da keine Zeit.

Das angehäufte Geld wird nicht investiert! Man kennt in Afrika die Schweizer Banken gut - und man weiss, warum man das Geld da anlegt. Vor einigen Jahren wurde der CFA, die Zentralafrikanische Währung massiv abgewertet. Die Armen verloren alle Ersparnisse, die Reichen hatten das Geld sicher im Ausland angelegt. In Kamerun kennt man auch schon die liechtensteinische Bank Millenium Private Banking, die Spekulationsgeschäfte anbietet. Viel zu viele Afrikaner verfallen der Verlockung mit dem schnellen Geld. Es gibt Leute, die sammeln das Vermögen einer ganzen Sippe und spekulieren damit. Tragödien sind nicht selten, den die Mechanismen dieser Geschäfte verstehen die wenigsten Afrikaner. Lachen tun die Europäer. Wir stehlen den Afrikanern nichts, profitieren von ihnen aber übermässig. Dann geben wir ihnen ein Almosen und fühlen uns dabei sehr grosszügig!

Vermögensverwaltung der Armen
Ein Bankkonto zu eröffnen kostet umgerechnet CHF 1’250.- . Das war das billigste Angebot, das ich erhalten habe, als ich für unser Transportunternehmen “Voyage chic” ein Konto eröffnen wollte. Wie soll da ein afrikanischer Chauffeur oder Bauer zu sparen beginnen?

Die Eröffnung eines Kontos ist dem afrikanischen Mittelstand zu teuer. Also bleibt ihm nur der sofortige Verbrauch. Allzu oft wird daher das übrig bleibende Geld versoffen oder mit Prostituierten verjubelt. Familientragödien und Aidsepidemien sind die Folgen. Die wenigen Sparer verlieren ihr Vermögen bei der nächsten Abwertung der Währung, eine Bestätigung für alle Säufer und Verschwender.

Heute bieten mehr und mehr Hilfsorganisationen kleine Sparkassen an, bei welchen der afrikanische Mittelstand das Geld anlegen kann. Das Geld wird dann oft in lokale Aufbauprojekte investiert oder “weit weg” angelegt, damit es vor den Raubzügen der Behörden und Wegelagerer sicher ist. Ich finde das eine super Lösung und eine der wichtigsten Aufgaben der Entwicklungshilfe in Afrika. Wir haben unser Konto bei BELACT, einer solchen Entwicklungsorganisation eingerichtet, und ich bin Stolz, dass mein Geld da nochmals arbeiten kann, bevor es an mich zurückbezahlt wird.

MORAL DER GESCHICHTE
Die Moral der Geschichte ist nicht einfach zu finden. Ich wurde auf meiner Reise sehr oft um Hilfe angefragt. Immer wieder habe ich mich sehr direkt und undiplomatisch geäussert und dabei gehofft, dass die Afrikaner etwas von meinem Ernst lernen, wie ich auch etwas von ihrer Leichtigkeit und Fröhlichkeit nach Hause nehmen wollte.
Entwicklungshilfe in Zentralafrika ist zur Zeit ziemlich nutzlos. Das Geld wird den Armen sofort durch Korruption und übermässige Steuern entrissen. Steuergelder werden nur wenn nicht anders möglich für nationale Projekte eingesetzt. Der grosse Teil fliesst in die Taschen der Reichen oder wird für pompöse Auftritte und Selbstdarstellungen verwendet. Bevor die Armen nicht Ernst werden, aufstehen und ihr Recht verlangen, bevor die Reichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, geht die Ausbeutung weiter. Schutzlos Badende werden leicht zu Opfern von Krokodilen - da hilft kein Jammern, Beten und Bitten.

Meine Zusammenarbeit mit Nanasra und dem Tschad allgemein werde ich dennoch weiterführen, denn ich habe grossen Spass an solchen Abenteuern - und Abenteuer müssen schlussendlich keinen Sinn machen und dürfen auch etwas kosten. Bezahlt habe ich für diese Reise nicht mehr als ich für eine Reise auf den Mount Everest bezahlt hätte.